Wohlstands-Transformation Wuppertal
ein urbanes Transformationslabor für nachhaltiges Wirtschaften

 

Projekt-Nr. 350166                    Laufzeit 05/2015 – 04/2018

Was bedeuten nachhaltiges Wirtschaften, Lebensqualität und urbane Transformation konkret in Städten wie Wuppertal, die stark vom Strukturwandel betroffen sind? Wie lassen sich Impulse aus der Stadtgesellschaft für mehr Nachhaltigkeit beschreiben, aufgreifen und unterstützen? Wie kann Lebensqualität von rein materiellem Wachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden?

WTW geht diesen Fragen konsequent und umfassend nach und umfasst folgende Teilprojekte:

  • Entwicklung eines erweiterten Wohlstandsverständnisses für eine Stadt auf der Grundlage des bestehenden Messsystems “OECD Better Life Index”.
  • Kartierung von unterschiedlichen Projekten und Initiativen seitens Stadt, Unternehmen und zivilgesellschaftlicher Organisationen und Evaluierung ihrer Effekte auf einen umfassend verstandenen Wohlstand.
  • Vernetzung und Unterstützung von bestehenden Initiativen, um eine urbane Wohlstandsproduktion bei reduziertem Umweltverbrauch weiter zu erhöhen.
  • Konzeptionelle und methodische Weiterentwicklungen des Ansatzes der Reallabore bzw. Realexperimente, um sie im urbanen Kontext zur Wohlstandssteigerung einzusetzen.

Im Sinne eines transdisziplinären Wissenschaftsverständnisses ist der Forschungsprozess nicht nur fachübergreifend angelegt, sondern findet zugleich im Dialog mit Wuppertaler Bürger(inne)n sowie zivilgesellschaftlichen und kommunalen Akteur(inn)en statt. So wird gemeinsam erarbeitet, was ein “gutes Leben” bedeutet und in vier ausgewählten Stadtteilen in Zusammenarbeit mit lokalen AkteurInnen Projekte, die erweiterten Wohlstand zum Ziel haben, konzipiert und realisiert.

 


PROBLEMSTELLUNG & PROJEKTZIELE

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet, Wohlstand bei geringem Umweltverbrauch zu produzieren (erste Entkopplung). Eine Steigerung ökologischer Effizienz reicht allerdings nicht aus, um die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. Vielmehr sollten zusätzlich Faktoren jenseits ökonomischen Wachstums in den Blick genommen werden, die das Ziel des individuellen und gesellschaftlichen Wohlstands auf eine nachhaltige Basis stellen (Suffizienz; zweite Entkopplung). Ziel von WTW war es daher, forschend einen ressourcenleichten Wohlstand zu fördern, der ökonomische, ökologische und soziale Wohlstandsaspekte in ihren Wechsel- und Langfristwirkungen ganzheitlich integriert. Hierfür wurde in Wuppertal ein urbanes Transformationslabor für nachhaltiges Wirtschaften geschaffen.

 


METHODIK & VORGEHEN

In dem Transformationslabor haben die Forschenden transdisziplinär und transformativ mit den Bürgerinnen und Bürgern Wuppertals sowie zivilgesellschaftlichen und städtischen Praxisakteuren zusammengearbeitet. Mithilfe eines partizipativen Prozesses und einer Befragung der Bürgerinnen und Bürger (Zufallsstichprobe) wurde der Better-Life-Index der OECD auf die Stadt Wuppertal angepasst. Dies diente dazu, ein erweitertes nachhaltigkeitsorientiertes Wohlstandskonzept zu entwickeln und Bewusstsein für dieses zu schaffen. In sog. Reallaboren wurden Systemanalysen durchgeführt und gemeinsam mit Praxispartnerinnen und -partnern Interventionen (sog. Realexperimente) zur Transformation des lokalen Wohlstandsverständnisses und -niveaus initiiert und wissenschaftlich begleitet.

 


PROJEKTERGEBNISSE

Folgende zwölf Dimensionen des Guten Lebens sind aus dem Partizipationsprozess hervorgegangen: Gemeinschaft, Freizeit und Kultur, Infrastruktur, Arbeit, Gesundheit, Einkommen, Umwelt, Zufriedenheit, Engagement, Sicherheit, Wohnen und Bildung. Aufbauend auf diesen Dimensionen wurde ein Wohlstandsindikatorensystem für Wuppertal entwickelt. Die Dimensionen wurden bereits als Bewertungsrahmen im städtischen Bürgerbudgetprozess sowie in der Stadtentwicklungsstrategie Wuppertal 2025 genutzt. Auch kamen sie in einer Kartierung von Initiativen nachhaltigen Wirtschaftens zum Einsatz und werden mit dieser in das GeoPortal des Wuppertaler BMBF-Projekts „Transformationsstadt – BürgerInnen forschen für ein Gutes Leben“ integriert.

Zudem wurden in Wissenschafts-Praxis-Workshops die Beiträge der Reallabore zu den Dimensionen des Guten Lebensabgeschätzt. Im Ergebnis wurden alle Dimensionen adressiert, der Schwerpunkt der Wohlstandsbeiträge lag hierbei in den Bereichen Engagement, Gemeinschaft, Bildung und Lebenszufriedenheit.

Als Teil der Transformation wurde im Reallabor “Essbarer Arrenberg” ein Leitbild lokaler nachhaltiger Ernährung entwickelt und ein entsprechender Strategieprozess aufgesetzt.  Im Reallabor “Quartier Mirke” wurden Formate der partizipativen Quartiersentwicklung gefördert und eine Coforschungsgruppe gegründet. Im Reallabor “Wichlinghausen & Oberbarmen” wurde ein Konzept zur Leerstandsreduktion erarbeitet und erprobt (bisher drei vermietete Wohneinheiten) und ein bürgerschaftliches Gremium gegründet und verstetigt. Mit dem Realexperiment zur Sperrung der Bundesstraße 7 konnte gezeigt werden, dass eine Push- und Pull-Strategie Verkehrsteilsnehmende zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen kann. Im Arbeitspaket „Willkommen im Quartier“ wurden die Bedarfe Geflüchteter in Wuppertal erhoben und gemeinsam mit der Stadtverwaltung und ehrenamtlich Engagierten das Wup-Portal für integrative Hilfsangebote aufgebaut.

Reallaborübergreifend wurden Rahmenbedingungen, Prozesse und Rollen der Forschenden analysiert und wissenschaftliche Beiträge zur Weiterentwicklung und Reflexion transformativer Forschung geleistet. Die Verknüpfung partizipativer Indikatorenentwicklung mit Reallaboren erwies sich als wichtiger Treiber der Wohlstandstransformation in Wuppertal.

 


PRAXISNUTZEN & ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN

Hierdurch ist in Wuppertal eine Infrastruktur für transformative Forschung entstanden. Die im Projekt entwickelten Leitfädenwie jene zum Reallaborprozess, zur partizipativen Konstellationsanalyse oder zur Wirkungsabschätzung transdisziplinärer und zivilgesellschaftlicher Projekte können zukünftig in anderen Projekten genutzt werden. Die Wohlstandsindikatoren werden weiter in der Stadt etabliert und in der App „Glücklich in Wuppertal“ sowie in einem GeoPortal genutzt. Die in den Reallaboren angestoßenen Prozesse werden von den Praxisakteuren weitergeführt. Der im WTW-Projekt gegründete Transformationsstammtisch und die Plattform „Transformationsstadt“ dienen auch in Zukunft der Vernetzung und dem Austausch wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Transformationsakteure in Wuppertal.

WTW ist ein Verbundprojekt von Wuppertal Institut und Bergischer Universität Wuppertal. Verortet ist das Projekt am TransZent, dem von Wuppertal Institut und Bergischer Universität Wuppertal gegründeten Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit.
Aktuelle Informationen zum Projekt befinden sich auch auf der TransZent-Homepage.



Weitere Projektinformationen
Links

→ [TransZent: Wohlstands-Transformation Wuppertal]

[Downloads]